13 Reasons Why: Review zur zweiten Staffel

Achtung: Spoilers ahead! Und hierbei handelt es sich um ein Meinungs-Piece zur zweiten Staffel von 13 Reasons Why.

Gerade habe ich die zweite Staffel von 13 Reasons Why („Tote Mädchen lügen nicht„) fertig geschaut. Mann, das nimmt einen mit. Aber so schlimm die Themen der Serie sind … sie müssen angesprochen werden. Ich meine, gerade als Teenager macht man viel durch – und hat permanent das Gefühl, sich an niemanden wenden zu können und eh von niemandem verstanden zu werden. Das ist schlimm. Wenn dazu aber eine Kultur von Mobbing und eine Welt voller Gewalt kommt, kann man den Horror kaum in Worte fassen.

Ein Vergewaltiger, der mit 3 Monaten Bewährung davon kommt, während jemand der Beihilfe geleistet hat, deutlich länger in Jugendhaft sitzt? Mädchen, die als Schlampen und selbst schuld dargestellt werden, wenn ein Mann – oder Junge – sich an ihnen vergeht? Eine Schule, die zu keinem Moment bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und auch vom Gericht keinerlei Verantwortung zugesprochen bekommt? Das alles klingt kaum zu glauben. Aber 13 Reasons Why schafft es, all diese furchtbaren Themen sehr realistisch abzubilden.

Sexueller Missbrauch in 13 Reasons Why

In der ersten Staffel der Serie steht der Selbstmord von Hannah Baker im Vordergrund. Staffel zwei von 13 Reasons Why thematisiert die Gerichtsverhandlung und all die dunklen Themen, die Hannah in ihren Tapes angesprochen hat. Einer der Hauptaspekte: Vergewaltigung. Für mich ist es mega krass, wie offen und auch bildlich das Thema dargestellt wurde. Es gibt doch sehr viele Szenen, die das Thema verdeutlichen. ABER: Genau das ist auch notwendig. Ich glaube, dass nur so ein Verständnis über den Horror geschaffen werden kann, den Opfer empfinden. Schließlich ist es quasi unmöglich, sich in einen Betroffenen hineinzuversetzen, wenn man nicht selbst betroffen ist. Aber die Macher der Show gehen über die Stereotypen hinaus: Nicht nur Mädchen sind betroffen. Auch Tyler wird zum Opfer von sexueller Gewalt – und es führt ihn schlussendlich zu einem versuchten Amoklauf.

Gerechtigkeit?

In dieser Staffel sehen wir mehrere Gerichtsverfahren: eins gegen die Schule und eins gegen Bryce. Am Ende wird der School District freigesprochen. Ob das richtig ist? Ich glaube nicht. Natürlich weiß ein Schulleiter nicht von allen Dingen, die in der Schule vor sich gehen. Aber meiner Meinung nach ist es schon die Aufgabe der Schule und der Lehrer, ein sicheres Umfeld für die Schüler zu schaffen – statt einer Kultur von Gewalt, permanenter Angst und keinerlei Hilfestellung. Hier in Deutschland ist jedes Kind gesetzlich verpflichtet, in die Schule zu gehen. Und Eltern müssen darauf vertrauen, dass es ihren Kindern dort gut geht und an nichts fehlt. Dennoch bin ich der Meinung, dass 13 Reasons Why den richtigen Ausgang des Verfahrens gezeigt hat. Leider ist es ja oft so, dass Gesetze zwar der Gerechtigkeit dienen sollen, aber deshalb nicht unbedingt gerecht sind.

Was die Verhandlung von Bryce angeht, da brauchen wir ja nicht über Gerechtigkeit sprechen. Denn die gibt es nicht. Bryce kommt lächelnd aus dem Gerichtssaal, während Jessica den Rest ihres Lebens unter seinem Fehler leiden wird. Das ist furchtbar und falsch. Aber leider viel zu oft der Fall. Mädchen und Frauen wird in solchen Fällen viel zu selten geglaubt – viel zu oft wird ihnen selbst die Schuld gegeben. Das gleiche passiert in dieser Staffel an verschiedenen Stellen: In Jessicas Verhandlung und in den Gesprächen über Hannah. Argumente wie „Sie hätte ja nicht so viel trinken müssen“ oder „Sie hätte nicht mit mir im Whirlpool sitzen müssen“ sind einfach nur Scheiße und ein Weg das unmenschliche Verhalten der Täter zu rechtfertigen. Frauen können tragen was sie wollen, sich verhalten wie sie wollen und von mir aus auch im letzten Moment „Nein“ oder „Stop“ sagen. Es hat trotzdem zu gelten. Jeder Mann, der das nicht versteht oder akzeptiert, gehört verurteilt. Leider passiert das viel zu selten. Auch wenn ich mir also eine härtere Strafe für Bryce erhofft hatte, schaffen es die Macher von 13 Reasons Why auch hier, die Realität sehr gut widerzuspiegeln. Leider.

 

Positive Themen

Trotz all dieser schlimmen Aspekte zeigt die Serie auch positive Momente: Teenager und Erwachsene gleichermaßen, wie sie sich weiterentwickeln und aus der Tragödie um Hannah lernen. Freundschaften, die sich formen. Mut, der in ihnen aufkocht. Junge Liebe inmitten von einer gebrochenen Gesellschaft. Das sind alles positive Entwicklungen die hier gezeigt wurden, die in der ersten Staffel so nicht abzusehen waren. Das sind positive Bilder, die Hoffnung machen. Hoffnung auf eine bessere Zukunft für Kinder und Teenager, die dem Schulalltag ausgesetzt sind oder noch sein werden. Zusätzlich findet dank der Serie ein öffentlicher Diskurs zu all den tragischen Themen statt, die ansonsten immer als Tabu gelten. Aufmerksamkeit schaffen ist der erste Schritt auf einem langen Weg der Veränderung der globalen Gesellschaften.

Habt ihr die zweite Staffel schon gesehen? Lasst mir gerne einen Kommentar da, was ihr dazu denkt.

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